Wer mehr will,
muss mehr wissen
Gedanken, Meinungen, Perspektiven
Weiter denken als man sehen kann.
Hier finden Sie Gedanken, die die Welt der Finanzen aus immer neuen Perspektiven betrachten. Inspirationen, Wissen und Impulse für alle, die die Zukunft nicht dem Zufall überlassen möchten.
Neue Machtblöcke. Neue Herausforderungen für Anleger.
Der Verfall der regelbasierten Weltordnung verändert auch die Machtblöcke. Die bipolare Sicherheit weicht einer multipolaren Unsicherheit, in der es neue Gewinner gibt – aber auch neue Verlierer. Das hat auch wirtschaftliche Konsequenzen.
Von Eduard Pomeranz
Der Markt redet über Öl.
Der Engpass liegt woanders.
Durch den Krieg im Iran und die Sperrung der Straße von Hormus schaut die Welt gebannt aufs Öl. Was kostet ein Barrel heute? Was wird er morgen kosten? Doch die eigentliche Frage müsste ganz anders lauten: Was hängt eigentlich alles am Öl?
Von Eduard Pomeranz
Tektonische Geldströme: Warum sich die Spielregeln der Vermögensanlage gerade fundamental verändern
Die Welt verändert sich nicht linear – sie verschiebt sich in Sprüngen. Politisch, wirtschaftlich und geopolitisch entstehen Kräfte, die Kapitalströme neu ausrichten. Für Investoren bedeutet das: Alte Regeln verlieren ihre Gültigkeit, neue Muster entstehen.
Was wir derzeit beobachten, ist kein gewöhnlicher Zyklus. Es ist ein struktureller Bruch.
Das Ende der Zentralbank-Ära
Warum „Treasury QE“ die Regeln neu schreibt.
Über zwei Jahrzehnte existierte an den Kapitalmärkten eine stille Gewissheit: Gerät das System unter Druck, expandiert die Zentralbankbilanz. Nach der Dotcom-Krise, der Finanzkrise 2008, der Eurokrise und der Pandemie folgte stets dieselbe Sequenz — fallende Renditen, steigende Bewertungen, stabilisierte Vermögenspreise. Geldpolitik war nicht nur Stabilitätsanker, sondern implizite Versicherung.
Die liberale Wirtschaftsordnung ist nicht gescheitert.
Sie hat geliefert – und genau deshalb ist sie vorbei.
Die Diagnose ist allgegenwärtig: Globalisierung, Freihandel, liberale Wirtschaftsordnung – all das habe versagt. Zu naiv, zu gutgläubig, zu abhängig. Produktionsarbeitsplätze gingen verloren, Know-how wanderte ab, Lieferketten wurden fragil, Abhängigkeiten von China und anderen Staaten wurden zu groß.
Diese Diagnose ist bequem. Aber sie ist falsch.
Die liberale Wirtschaftsordnung ist nicht gescheitert. Sie hat funktioniert. Und genau deshalb stehen wir heute an einem Wendepunkt.